Alla Borissowna Pugatschowa

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Alla Borissowna Pugatschowa (russisch Àëëà Áîðèñîâíà Ïóãà÷¸âà; * 15. April 1949 in Moskau) ist eine bedeutende russisch-sowjetische Sangerin und Komponistin.
Pugatschowa gilt als Mutter der russischen Pop-Kultur; in den 70-80-er Jahren schuf sie mit ihrem „Theater des Liedes“ neue Melodien und Darstellungsformen, die der osteuropaischen Estrade bisher unbekannt waren. Sie setzte sich fur die Liberalisierung der Kunst in der Sowjetunion ein, forderte mehr Individualismus und Kreativitat auf der Buhne. Pugatschowa hat mit ihren neuen Musikformen versucht westliche Rhythmen mit russischen Melodien zu verbinden, zudem ma? sie gro?e Bedeutung dem Niveau der Lyrik in ihren Songs bei. Charakteristisch fur das Schaffen von Pugatschowa ist auch die Vielseitigkeit; in ihrer Suche nach den neuen Formen hat sie mit verschiedenen Liederarten experimentiert – vom Volkslied oder Romanze bis nahe an Hard-Rock.
Die Popularitat von Alla Borissowna in der Sowjetunion erreichte am Anfang der 80-er Jahre die bis dahin vollig unbekannte, fast neurotische Ausma?e, ihre Songs besa?en seit Jahren obere Platze der Charts. Sie erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, unternahm als erste sowjetische Sangerin Welttournees, arbeitete unter anderem mit ABBA, Udo Lindenberg und Joe Dassin zusammen. Noch heute besitzt sie die zahlma?ig starkste Fangemeinde Russlands, obwohl sich das Gewicht in Richtung der uber 40-jahrigen verlagert hat. Seit Ende der 80-er Jahre engagiert Pugatschowa sich verstarkt fur die Nachwuchs-Sanger, in verschiedenen sozialen Bereichen (unter anderem fur die Opfer von Tschernobyl), aber auch in der Business-Sphare.

Anfange der Karriere
Alla Borissowna Pugatschowa wurde am 15 April 1949 in Moskau geboren. Ihre Eltern – Boris Pugatschow und Sinaida Odegowa – waren Ingenieure, interessierten sich aber stark fur Literatur, Musik und Kunst. Bereits mit 5 Jahren schicken sie ihre Tochter auf die Musikschule (neben der normalen). Nach der 10-ten Klasse setzt die junge Alla, die bereits zu einer sehr guten Klavierspielerin geworden ist, ihre Musikausbildung fort und geht auf dieIppolitow-Musiklehranstalt, Abteilung fur Chordirigent. Schon mit 16 Jahren, erringt sie Ihren ersten Erfolg – in einer popularen TV-Sendung darf sie das Lied „Robot“ singen, und wird von den Zuschauern positiv aufgenommen. Ermutigt von der Anerkennung, beginnt Pugatschowa 1966 ihr erstes Tournee mit einer Agitationsbrigade, das durch die Stadte und Dorfer Ostsibiriens geht. Verstandlicherweise besteht ihr Repertoire zu der Zeit aus naiven Liedchen uber Liebe und das Madchenleben. Trotzdem kommt sie mit ihrer starken jugendlichen Stimme und ehrlichen, leuchtenden Augen beim Publikum gut an.
Aus nicht ganz ersichtlichen Grunden bricht Pugatschowa bald ihre beginnende Karriere als lokale Teenstar ab und geht nach Lipezk, wo sie im Zirkus und Philharmonie als Musikerin arbeitet. Sie fangt an im Band „Nowyj Elektron“ zu singen, meist sind es Remakes von den popularen Schlager. Sie lernt zu singen, sich auf der Buhne zu halten, arbeitet ihre eigene Singweise heraus. Langsam wird sie bekannt in den Musiker-Kreisen. Sie nimmt die Songs zu einigen Kinder- und Jugendfilmen auf und nimmt am Allsowjetischen Sangerwettbewerb teil.

Beginn des Erfolgs, Konflikte mit Partei
Aber der richtige Erfolg kommt erst 1975. Alla Pugachova wird von der Sowjetunion zum Festival „Goldener Orpheus“ nach Bulgarien geschickt – dem renommiertesten Sangerwettbewerb des gesamten Ostblocks, wo auch viele westliche Musiker als Gaste auftraten. Pugatschowa singt das Lied „Arlekino“ („Harlekin“) und in 5 Minuten zum Star. Es gabt sturmischen Applaus, der nicht ehe aufgehort hat, als Alla das Lied zum zweiten Mal sang, was noch nie bei dem Festival geschah. Pugatschowa hat aus der simplen Geschichte eines Clowns, der Leben lang seine Gefuhle hinter der Maske des Lachens verbergen muss, nicht nur eine menschliche Tragodie gemacht, sie hat – was vollig neu war – auf der Szene diesen Charakter gespielt. Zum ersten Mal ging ein Sanger uber die Rahmen der akkustischen Gestaltung heraus, zum ersten Mal gab es sowas wie ein Show. Auch mit ihrer Singweise, dramatischen Veranderungen der Stimme, Senkungen und Hebungen, Ubergriffen vom tragischen Ton ins unnaturliche, starre Lachen hat Pugatschowa auf einmal alle konservative Schranken und Vorstellungen weggefegt. Der Erfolg war uberwaltigend. Zum ersten Mal seit vielen Jahren bekam Sowjetunion wieder den „Goldenen Orpheus“.
Nach ihrem Sieg genie?t Pugatschowa landesweite Popularitat. Kurz danach erscheint der Film „Ironija Sud'by“, fur den Pugatschowa die Lieder singt. Der Film wird zum Kassenschlager und wird bis heute regelma?ig im Fernsehen ausgestrahlt. Mit den Liedern fur diesen Film ging die Sangerin ein Wagnis ein – das waren lyrische Romanzen nach den Gedichten von M. Zwetajewa und B. Achmadulina – beide Dissidentinen, deren Werke von der Partei verboten waren. In beiden Romanzen gab es vielfach sozialkritische Untertone. Als Pugatschowa spater noch ein Song nach dem Gedicht von O. Mandelstam, einem im kommunistischen KZ umgebrachten Dichter, fur ihr Album aufnimmt, ist die Herausforderung an die KPdSU mehr als deutlich. Wahrend ihrer Konzerte erlaubt sie sich immer wieder Aussagen, die mit d3er Linie der Partei konfrontieren, einmal scherzt sie sogar uber Breshnew personlich. Doch es ist gerade Breshnew, der ein scharfes Vorgehen gegen Alla Pugatschowa nicht zulasst – die Sangerin ist zu popular im Volke geworden, was die Partei von sich kaum behaupten kann.
Wahrenddessen steckt Alla Borissowna voll in Arbeit. Sie hat gerade den Band „Wesjolyje Rebjata“ verlassen und lasst sich bei der Oberen Theater-Akademie der UdSSR immatrikulieren. Dazu nimmt ein 2LP gro?es Album auf - „Zerkalo Duschi“ („Spiegel der Seele“), der innerhalb von Tagen ausverkauft wird und beginnt einen eigenen Musical-Film zu drehen. Sowohl auf im Album, als auch im Film gibt es viele Lieder, die Alla selbst geschrieben hat, wobei sie besonders gerne nach Gedichten von Klassikern wie Shakespeare oder Dissidenten wie Zwetajewa komponiert. 1978 bekommt sie noch den Grand-Prix des polnischen Festivals von Sopot, und 1979 kommt ihr Filmusical „Shenschtschina, kotoraja pojot“ („Eine Frau, die singt“) in sowjetische Kinos. Keinen wundert mittlerweile, dass der Film mit 55 Millionen Zuschauer zum „Film des Jahres“ gekurt wird.

Auf der Spitze des Ruhms
Nachdem Pugatschowa 1980 die Akademie erfolgreich absolviert, beginnt sie die Zusammenarbeit mit dem erfolgreichen lettischen Komponist Raimond Pauls, die sie auf die Spitze des Ruhms fuhren wird. Im Jahr 1980 fuhren beide ihre Komposition „Maestro“ vor, 1981 kommen „Starinnyje Tschasy“ und 1982 „Million alych ros“. Diese Lieder werden nicht nur zur Visitenkarte des Kunstlerpaares, sie bringen Pugatschowa den Erfolg von Ausma?en, die keine andere Sangerin in Russland je erlebt hat. Radio und TV wurden mit Millionen von Briefen aus der ganzen Sowjetunion uberhauft, mit Forderungen nach „mehr Pugatschowa“. Hunderte Millionen von illegalen Kassettenaufnahmen kursierten im Land, weil die offiziellen LPs fur die Provinz-Einwohner unerschwinglich waren. Uber Jahre hinweg war Alla Pugatschowa die einsame Spitze der Sowjetischen Estrade.
Auch im Westen wurde der Name Alla Pugatschowa – wenn auch fur kurze Zeit – bekannt. Schon 1981 bekam sie in der Bundesrepublik Deutschland den „Goldenen Mikrofon“ als Sangerin des Jahres; 1982 sammelt sie in Paris volle „Olympia“, wird in Japan mit hoher Begeisterung aufgenommen. Sie gastrolliert als erste sowjetische Popsangerin quer durch die Welt. 1984 kommt in Skandinavischen Landern ihr Riesenalbum „Soviet Superstar“ heraus, wo die Halfte der Lieder auf Englisch ist. Besonders in Skandinavien, Frankreich und Osteuropa wird das Album zum gro?en Erfolg. Pugatschowa erficht den „Goldenen Album '82“ von Europa und in Finnland kurt man sie zur „Frau des Jahres“. Die neue Fahre nach Leningrad wird mit deren Namen getauft. Alla Pugatschowa engagiert sich auch in sozial?politischen Spharen. Sie organisiert unter anderem zum Beispiel ein Konzert gegen die Atomkraft und beteiligt sich an einem Marsch zu Gedenken an Olof Palme in Munchen.

Suche nach Novationen, Kunstlerische Arbeit
Der Anfang und Mitte der 80-er Jahre zeichnen sich durch besonders intensive Arbeit von Pugatschowa aus. Sie hat nun ihre eigene Band „Rezital“ und ihre eigene Autoren wie Pauls und Reznik. Sie schreibt viel selbst, entwickelt neue Techniken, Motive, Kompositionen – alles, was man als „Theater von Pugatschowa“ bezeichnet; moderiert zahlreiche eigene Shows, nimmt Alben auf, dreht Filmmusicals. Nach der Havarie von Tschernobyl fahrt sie in die verseuchte Stadt mit einem Wohltatigkeitskonzert. Pugatschowa wird immer mehr zur Person des offentlichen Lebens, was die Partei nur schwer vertragt. Unter dem Vorwand eines Skandals werden ihre Lieder 1987 verboten. Doch bereits im Dezember des selben Jahres wird dieses Verbot nach einer sowjetweiten Protestwelle wieder aufgehoben. Die Sangerin zahlt die Erniedrigung heim – sie macht ohne Absprache ein Tournee durch die USA und Israel – noch vor 2 Jahren undenkbares Unternehmen. Gleichzeitig wird ein Traum von Pugatschowa wahr – ihr „Theater des Liedes“ wird offiziell begrundet und anerkannt. 1989 macht sie mit dem wiederholt ein Tournee durch die ganze Welt bis nach Australien und wird sehr gut aufgenommen. Mitte 1990 nimmt sie als erste sowjetische Sangerin ein CD auf - „Alla“. Sie beginnt mit der Forderung von Nachwuchs-Talenten, dafur konzipiert sie die Show „Roshdestwenskije Wstretschi“ („Weihnachtstreffen“), wo populare Sanger neben den weitgehend unbekannten Jugendlichen auftraten. Zu dieser Zeit ist ihr Allianz mit Paulus bereits zerfallen, sie arbeitet mit dem jungen Komponist Igor Nikolajew und spater mit Wladimir Kuzmin, der zu ihrem zweiten Mann wird. Wegen der zahlreichen Konflikte mit KPdSU konnte Pugatschowa - die popularste Sangerin aller Zeiten – die hochste sowjetische Auszeichnung „Verdiente Sangerin der UdSSR“ nicht bekommen. Doch 1 Tag vor dem Zerfall der Sowjetunion (!) hat man diesen Fehler korrigiert – Pugatschowa wurde zur „Verdienten Sangerin der UdSSR“ - als letzte uberhaupt.

Nach der Wende
Im neuen Russland hat Alla Borissowna ihre Karriere fortgesetzt. Pugatschowa engagiert sich au?erdem im Business, begrundet ihre eigene Firma, Modemarke, Zeitschrift und Art-Studio. Eine Prasidentschaftskandidatur, die ihr wiederholt angeboten wurde, lehnte sie jedes Mal ab. Zum 45-sten Jubilaumder Sangerin erscheint ihre Liedersammlung – 211 Lieder auf 13 CDs. Nach der fast 2-jahrigen Unterbrechung startet sie 1998 ihre neue Programm „DA!“ („JA!“) und geht erneut auf Tournees. Mit ihrem 50-sten bekommt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter internationale, beispielsweise „Fur die Mehrung des Guten auf Erden“ von der orthodoxen Kirche. Ende 2004 mehren sich Geruchte uber baldiges Rucktritt von Pugatschowa ins private. Als Anzeichen dafur gilt ihr geplantes Tournee nach Bulgarien, wo sie vor 30 Jahren zur Star wurde.
Pugatschowa hat eine Tochter, Sangerin und Schauspielerin Kristina Orbakaite, von ihrer ersten Ehe mit Miklas Orbakas. Momentan ist Alla Borissowna mir dem popularen Sanger bulgarischer Abstammung, Filipp Kirkorow verheiratet. Sie lebt in Moskau.

Diskographie
„Pesni k Kinofilmu „Korol-Olen“©1969 („Lieder zum Film „Konig-Hirsch“)*
„Dwaschdy Dwa – Tschetyre“ ©1973 („Zweimal zwei – Vier“)*
„Alla Pugatschowa“ © 1975*
„Alla Pugatschowa i „Wesjolyje Rebjata“ ©1976 („Alla Pugatschowa und „Die Lustigen Burschen“)
„Serkalo Duschi“ © 1977 („Spiegel der Seele“)
„Greatest Hits“ © 1978; in Japan
„Arlekino i Drugije“ © 1979 („Harlekin und Andere)
„Podnimis Nad Sujetoi“ © 1980 („Erhebe Dich Uber dem Hast“)
„To li Jeschtscho Budet“ © 1980 („Was wohl noch kommen wird“)
„Diskoteka A“ © 1980*
„Kak Trewoschen Etot Put“ © 1981; 1983 („Wie unruhig ist dieser Weg“)
„Deschurny Angel“ © 1981 („Dienstengel“)*
„Maestro“ © 1981*
„Million Ros“ © 1982 („Million Rosen“)*
„Parad Planet“ mit anderen Sangern © 1983 („Parade der Planeten“)
„Zyganski Chor“ © 1983 („Zigeunerchor“)*
„Sonet“ © 1983 *
„Soviet Superstar“ © 1984 in Schweden, Finnland
„Pesni Ilji Resnika“ © 1984 („Lieder von Il'ja Resnik“)
„Watch out!“ © 1985 in Schweden
„Alla Pugatschowa w Stokgolme“ © 1985 („Alla Pugatschowa in Stockholm“)
„Schtschastja w Litschnoi Schisni“ © 1986 („Gluck im Personlichen Leben“)
„Prischla i Goworju“ © 1986 („Ich kam und Sprach“)
„Pesni Wmesto Pisem“ © 1988; zus. mit Udo Lindenberg („Lieder Statt Briefe“)
„Paromschtschik“ © 1989 in Finnland („Fahrmann“)
„Alla“ © 1990
„Werju w Tebja“ © 1994 („Ich Glaube an Dich“)
„Lutschschije Pesni 1989-1993“ © 1994 („Beste Lieder 1989-1993“)
„Ne Delaite Mne Bolno, Gospoda“ © 1995 („Tut Mir Nicht Weh, Meine Herren“)
„Put Swesdy“ © 1995 („Weg der Star“)
„Lutschschije Pesni 90-95“ © 1996 („Beste Lieder 90-95“)
Vollstandige Liedersammlung auf 13 CDs; © 1996
„Dwe Swesdy“ © 1997 („Zwei Stars“)
„Primadonna“ © 1997*
„Da!“ © 1998 („Ja!“)
„Isbrannoje“ © 1999 („Ausgewahltes“)
„Bely Sneg“ © 2000 („Wei?er Schnee“)
„Madam Broschkina“ © 2000*
„Retschnoi Tramwaitschik“ © 2001 („Spazierbotchen“)
„A Byl li Maltschik?“ mit Lubascha © 2002 („Gab's den Jungen?“)
„Alla, Ljubow i Wesna“ © 2003 („Alla, Liebe und Fruhling“)

mit * sind kleine Alben gekennzeichnet, die aus weniger als 5 Liedern bestehen.

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